„Elizabeth, warum hast du ihn nicht beaufsichtigt? Du weißt doch, wie aufgeregt er ist.“
Sie fragte nie, wer es kaputt gemacht hatte. Sie fragte, warum ich es nicht verhindert hatte. Das wurde zum Muster meines Lebens.
In der High School wurde der Unterschied zwischen uns immer deutlicher. Ryan vergaß seine Hausaufgaben, ignorierte Projekte und freute sich über jede Drei, weil es wenigstens keine Sechs war. Meine Eltern luden ihn zum Essen ein, obwohl er Mathe nur knapp bestanden hatte. In derselben Woche brachte ich lauter Einsen mit nach Hause, und mein Vater warf nur einen kurzen Blick auf mein Zeugnis.
„Gut. Weiter so.“
Kein Abendessen. Keine Belohnung. Keine Rede. Mein Erfolg war erwartet worden, also zählte er nicht. Ich war die Kluge, die Unkomplizierte, die Zuverlässige. Ihre ganze Angst und Aufmerksamkeit galten Ryan, und als sie sich endlich keine Sorgen mehr um ihn gemacht hatten, blieb nichts mehr für mich übrig. Mit sechzehn hatte ich im Regen eine Reifenpanne und rief meine Eltern um Hilfe. Mama ging außer Atem ans Telefon, weil Ryan seine Fußballschuhe vergessen hatte und Papa sie eilig zu seinem Spiel bringen musste. Ich wechselte den Reifen selbst im Schlamm, kam klatschnass nach Hause, und niemand fragte, warum. Sie waren zu sehr mit Ryan beschäftigt.
