Warum die Beine betroffen sind
Laut einer in der National Library of Medicine veröffentlichten Studie fließt das Blut in den tiefen Beinvenen naturgemäß langsamer als in vielen anderen Körperregionen. Dies liegt daran, dass die Schwerkraft dem Blutfluss nach oben entgegenwirkt und die Beine weit vom Herzen entfernt liegen. Daher ist diese Region besonders anfällig für die Bildung von Blutgerinnseln.
Wenn im Körper abnormale Gerinnungssignale zirkulieren, gehören die Beine zu den häufigsten Stellen, an denen sich ein Blutgerinnsel bilden kann. Sobald sich ein Gerinnsel bildet, wird der normale Blutfluss gestört, was schnell zu Schwellungen und Entzündungen im betroffenen Bereich führt. Manche Betroffene bemerken auch Schmerzen, Wärmegefühl oder Rötungen, doch für viele Patienten ist die Schwellung im Bein das einzige sichtbare Warnzeichen.
Statistische Risiken: Der Khorana-Score
Klinische Studien bestätigen durchgängig einen starken Zusammenhang zwischen Bauchspeicheldrüsenkrebs und Erkrankungen mit Blutgerinnseln. Unter allen Krebsarten steht Bauchspeicheldrüsenkrebs an zweiter Stelle hinsichtlich des Risikos, eine venöse Thromboembolie (VTE) zu entwickeln, eine Erkrankung, die sowohl tiefe Venenthrombose (TVT) als auch Lungenembolie umfasst.
Aktuelle Schätzungen aus den Jahren 2024 und 2025 gehen davon aus, dass etwa 20 bis 40 % der Menschen mit fortgeschrittenem Bauchspeicheldrüsenkrebs im Verlauf ihrer Erkrankung ein Thromboseereignis erleiden werden. Damit zählen Gerinnungsstörungen zu den häufigsten Komplikationen dieser Erkrankung.
Der Khorana-Risiko-Score
Um festzustellen, bei welchen Krebspatienten das Risiko für Blutgerinnsel am höchsten ist, greifen Ärzte häufig auf ein Vorhersageinstrument zurück, den sogenannten Khorana-Risiko-Score. Dieses Modell berücksichtigt verschiedene Faktoren, darunter die Krebsart, die Thrombozytenzahl, die Hämoglobinkonzentration und den Body-Mass-Index.
Jeder Krebsart wird ein Basiswert zugewiesen, der auf ihrem bekannten Risiko für Blutgerinnungsstörungen basiert. Bauchspeicheldrüsenkrebs erhält automatisch zwei Punkte, wodurch Patienten direkt in die Hochrisikogruppe eingestuft werden, noch bevor andere Risikofaktoren berücksichtigt werden.
Prognostische Bedeutung
Bei Menschen mit Bauchspeicheldrüsenkrebs sind Blutgerinnsel nicht nur eine Komplikation der Erkrankung, sondern können auch Aufschluss über den Schweregrad des Tumors geben. Forschungsergebnisse im Rahmen der COMPASS-Studie aus dem Jahr 2025 deuten darauf hin, dass das frühe Auftreten von Blutgerinnseln mit besonders aggressiven Tumorsubtypen zusammenhängen könnte.
Tritt eine venöse Thromboembolie innerhalb der ersten drei Monate nach der Diagnose auf, ist sie häufig mit Tumoren assoziiert, deren biologische Eigenschaften ein schnelleres Wachstum und eine schlechtere Prognose begünstigen. Aufgrund dieses Zusammenhangs betrachten Ärzte plötzliche oder unerklärliche Beinschwellungen als mögliches Warnzeichen für einen aggressiveren Krankheitsverlauf.
Proteinmangel und systemisches Ödem
Nicht alle Schwellungen im Zusammenhang mit Erkrankungen der Bauchspeicheldrüse werden durch Blutgerinnsel verursacht. In bestimmten Fällen können Schwellungen in beiden Beinen aufgrund eines sogenannten systemischen Ödems auftreten, das entsteht, wenn der Flüssigkeitshaushalt des Körpers gestört ist (Mayo Clinic).
Albumin, ein von der Leber produziertes Protein, spielt eine wichtige Rolle bei der Aufrechterhaltung des Flüssigkeitshaushalts in den Blutgefäßen. Sinkt der Albuminspiegel zu stark ab, tritt Flüssigkeit aus den Gefäßen aus und sammelt sich im umliegenden Gewebe an, was zu Schwellungen führt.
Tumoren der Bauchspeicheldrüse können diesen Prozess beeinträchtigen, da sie die Freisetzung wichtiger Verdauungsenzyme blockieren können. Ohne diese Enzyme hat der Körper Schwierigkeiten, Proteine aus der Nahrung richtig aufzunehmen. Mit der Zeit kann dies, insbesondere in fortgeschrittenen Stadien der Erkrankung, zu einer sogenannten Hypoalbuminämie führen. In manchen Fällen kann der Tumor auch die Leberfunktion beeinträchtigen oder eine systemische Entzündung im Körper auslösen, was beides den Albuminspiegel weiter senken kann.
Diese Art von Schwellung äußert sich häufig als Dellenödem, das meist an Knöcheln und Füßen am deutlichsten sichtbar ist. Ein einfacher Test auf Dellenödeme besteht darin, vorsichtig mit dem Finger auf die geschwollene Stelle zu drücken – bleibt eine vorübergehende Delle zurück, kann dies auf diese Erkrankung hindeuten. Im Gegensatz zu Schwellungen infolge einer tiefen Venenthrombose (TVT), die typischerweise nur ein Bein betreffen, entwickeln sich systemische Ödeme meist allmählich und betreffen in der Regel beide Beine.
