Ich kam von einer Geschäftsreise nach Hause und fand meine Tochter schlafend in der Küche vor – als ich ihr Kinderzimmer öffnete, wurde ich kreidebleich.

TEIL 2: DIE BRIEFE, DIE NIE ANKOMMEN

Am nächsten Morgen besuchten Kyle und ich das Pflegeheim, in dem Gladys gewohnt hatte, bevor sie weglief.

Die Direktorin, Linda, führte uns in ihr Büro und öffnete eine dicke Akte.

„Ihre Mutter ist vor drei Jahren hier angekommen“, erklärte sie.

„Wer hat sie aufgenommen?“, fragte Kyle.

„Ein Mann namens Robert.“

Kyles Gesichtsausdruck verfinsterte sich.

„Das ist mein Vater.“

Robert hatte Gladys mehrere Monate lang besucht, bevor er den Kontakt plötzlich abbrach. Er hatte auch keinen aktualisierten Notfallkontakt angegeben.

Kyle sah sich die Dokumente an.

„Mein Name steht nirgends.“

„Nein“, sagte Linda.

„Wie hat die Polizei mich dann gefunden?“

Linda nahm einen kleinen Umschlag aus der Akte und faltete eine verblasste Karteikarte auseinander.

Auf der einen Seite befand sich die Zeichnung eines Hauses von einem Kind. Auf der anderen Seite stand eine alte Telefonnummer. Darunter, in zittriger Handschrift, standen vier Wörter:

Mein Sohn. Vergiss das nie.

Kyle hielt sich die Hand vor den Mund.

„Das war meine Telefonnummer aus Kindertagen.“

Obwohl die Verbindung jahrzehntelang unterbrochen war, hatte die Polizei alte Aufzeichnungen aufgespürt, bis sie ihn schließlich fand.

„Sie hat das all die Jahre mit sich herumgetragen“, flüsterte Kyle.

„Sie mag ihre aktuelle Adresse vergessen haben“, sagte Linda, „aber ihren kleinen Jungen hat sie nie vergessen.“

Als wir nach Hause zurückkehrten, standen Gladys und Mia im Garten und beobachteten Schmetterlinge, die durch den Garten flatterten.

Gladys zeigte auf eine Eiche.

„Kyle ist da früher immer hochgeklettert.“

Kyle lächelte traurig.

„Ich habe nie hier gewohnt, Mama.“

Sie wirkte einen Moment lang verwirrt, dann lächelte sie wieder.

„Vielleicht nicht.“

An diesem Abend öffnete Kyle den Koffer, den das Pflegeheim mit Gladys’ Habseligkeiten zurückgebracht hatte.

Im Inneren befanden sich alltägliche Gegenstände: ein Pullover, Familienfotos und eine abgenutzte Bibel.

Ganz unten entdeckte er ein Bündel Briefe, die mit einem blauen Band zusammengebunden waren.

Jeder Briefumschlag war an ihn adressiert.