TEIL 2
Meine Hände zitterten so stark, dass ich die Maus kaum bewegen konnte.
Plötzlich wirkte der Raum viel zu still. Das Sonnenlicht, das durchs Fenster fiel, die Dekorationen zum Jahrestag, die ich mir schon im Kopf ausgemalt hatte, das gerahmte Foto von Sean und mir auf dem Schreibtisch – alles fühlte sich unwirklich an.
Ich starrte weiter auf den Bildschirm und versuchte, mich selbst davon zu überzeugen, dass ich etwas falsch verstanden hatte.
Vielleicht war es ein Scherz.
Vielleicht gab es einen Kontext.
Vielleicht erklärt das nächste Video alles.
Aber tief in meinem Inneren wusste ich bereits, dass das, was auch immer sich auf diesem USB-Stick befand, etwas zwischen uns verändert hatte.
Ich bewegte den Cursor in Richtung VIDEO 2.
Dann hörte ich auf.
Ich starrte gefühlt ewig auf den Dateinamen.
Mein Herz hämmerte so laut, dass ich es in den Ohren hörte. Ein Teil von mir wollte sofort die Wahrheit wissen. Ein anderer Teil wünschte sich, ich könnte den USB-Stick herausziehen, den Laptop zuklappen und so tun, als hätte ich die Schublade nie geöffnet.
Ich habe über die letzten vier Jahre nachgedacht.
Die ruhigen Abendessen.
Die Insiderwitze.
Die Art, wie Sean mir immer einen Kuss auf die Stirn gab, bevor er zur Arbeit ging.
Die Art, wie er während der Filme meine Hand hielt.
So wie ich ihm vollkommen vertraut hatte.
Und dann schaute ich wieder auf den Bildschirm.
VIDEO 2 war noch da.
Warten.
Egal wie sehr ich es versucht habe, ich konnte nicht auf „Play“ drücken.
In dem Moment hörte ich, wie sich die Haustür öffnete.
Sean war früh zu Hause.
