TEIL 2
Wenige Minuten später öffnete sich die Tür zum Krankenzimmer.
Claire stürmte als Erste hinein, Evan dicht hinter ihr.
Monatelang hatte ich mir diesen Moment ausgemalt. Ich hatte mir vorgestellt, wie Claire vor Freude weinte und nach dem Baby griff, das sie sich so sehr gewünscht hatte.
Ich lächelte auf das kleine Mädchen in meinen Armen herab.
„Grüß deine Tochter“, flüsterte ich.
Claire blieb stehen.
Evans Gesicht wurde kreidebleich.
„Hast du Tochter gesagt?“, fragte er.
Claires Lächeln verschwand so schnell aus ihrem Gesicht, dass es mich erschreckte.
Evan schüttelte den Kopf.
„Nein. Nein, das ist falsch.“
Ich drückte das Baby fester an mich.
„Was ist los?“
Claire starrte das Neugeborene an, als sähe sie einen Fremden.
„Das ist nicht das Kind, das wir uns gewünscht haben.“
Es herrschte Stille im Raum.
Eine der Krankenschwestern schlüpfte leise hinaus.
Ich blickte von meiner Schwester zu ihrem Mann.
„Was soll das bedeuten?“
Claires Stimme wurde schärfer.
„Uns wurde etwas anderes versprochen. Wir wollen dieses Kind nicht.“
Evan nickte.
„Da ist ein schwerwiegender Fehler unterlaufen, Marianne.“
Ich konnte nicht glauben, was ich da hörte.
„Jemand muss erklären, was hier vor sich geht.“
