„Mittags servierst du das Mittagessen. Du erzählst Mama, dass du im Badezimmer ausgerutscht bist. Dann besprechen wir, ob wir das Haus verkaufen sollen.“
„Dieses Haus gehört mir“, flüsterte ich.
Sein Lächeln verschwand.
„Nicht mehr lange.“
Die Haustür knallte an jenem Morgen um 7:42 Uhr hinter ihm zu.
Eine Minute später griff ich unter die Matratze und holte das zweite Telefon hervor, von dessen Existenz Daniel nichts wusste.
Ich hatte es drei Monate zuvor gekauft, nachdem sein Temperament das erste Mal eine Grenze überschritten hatte.
Ich arbeitete als leitender Wirtschaftsprüfer im Bereich Forensik für einen Bundesauftragnehmer. Zu meinen Aufgaben gehörten die Dokumentation von Finanzvergehen, die Sicherung digitaler Beweismittel und die Aufspürung von Geldern, die man für immer verloren glaubte.
Die Angst hatte mich aufgehalten.
Aber es hatte meine Ausbildung nicht zunichtegemacht.
Ich fotografierte alle sichtbaren Spuren neben der Morgenzeitung. Anschließend lud ich die Audioaufnahmen aus dem Schlafzimmer von dem Cloud-basierten Sicherheitssystem herunter, das Daniel vermeintlich deaktiviert hatte.
Schließlich öffnete ich einen verschlüsselten Ordner mit der Bezeichnung „Steuerbelege“.
Im Inneren befanden sich Kopien seiner Drohungen, Aufnahmen, in denen Evelyn mich unter Druck setzte, die Urkunde zu übertragen, Bankunterlagen, die belegten, dass Daniel heimlich unter meiner Identität Geld geliehen hatte, und Nachrichten zwischen Mutter und Sohn, in denen besprochen wurde, wie man mich als labil darstellen könnte, falls ich Widerstand leisten würde.
Monatelang hatte ich jede verdächtige Überweisung gespeichert, jedes gefälschte Formular kopiert und jedes nächtliche Gespräch aufbewahrt.
