“Ich werde.”
„Und jetzt“, sagte ich und griff nach meinen Schlüsseln, „hole ich meine Tochter.“
Die Fahrt schien endlos. An jeder roten Ampel zwang ich meine Hände, ruhig zu bleiben.
Das Haus war still.
Ich klopfte kräftig.
Ein Mann öffnete die Tür. Er war älter als das Foto in der Mappe, aber seine Augen weiteten sich.
„Elia?“
Sein Gesicht wurde blass. „Das ist nicht möglich.“
„Ich bin Violet. Ich bin Lucys Mutter.“
Agnes eilte hinter ihm her.
„Oh mein Gott“, flüsterte sie.
Ich trat ein. „Wo ist sie?“
Elijah hob die Hände. „Sie hat uns gesagt, dass du weg bist.“
„Und Sie haben einem 15-Jährigen geglaubt, ohne einen Erwachsenen hinzuzuziehen?“
Agnes fing an zu weinen. „Sie hatte die Papiere, das Armband. Sie wusste Dinge, die nur Familienmitglieder wissen konnten. Sie sagte, sie hätte keine andere Familie mehr, und wir waren zu erleichtert, um die Geschichte ernsthaft zu hinterfragen.“
„Sie ist meine Tochter.“
„Wir dachten, wir würden ihr helfen“, sagte Elijah.
„Nein. Ihr habt euch damit nur selbst das Gefühl gegeben, vergeben zu sein.“
Über uns knarrte eine Diele.
Lucy stand oben auf der Treppe.
Einen Moment lang sah sie aus wie mein kleines Mädchen.
Dann verzog sich ihr Gesicht.
“Mama.”
Ich umklammerte das Geländer. „Komm runter.“
Sie schüttelte den Kopf. „Du hast mich zuerst angelogen.“
„Das habe ich.“
„Du hast mein ganzes Leben in eine Schublade gesperrt.“
„Das habe ich.“
“Warum?”
„Weil ich Angst hatte, dass du sie finden und entscheiden würdest, dass ich nicht genug bin.“
Ihre Stimme versagte. „Du warst genug. Deshalb tat es so weh.“
Ich stieg eine Stufe hinauf. „Und du hast mich glauben lassen, du wärst tot.“
