Teil 2
Ich starrte so lange auf den DNA-Bericht, bis die Buchstaben zu verschwimmen begannen.
David Harris.
Mein Onkel.
Mein leiblicher Vater.
Die Wohnung wirkte plötzlich viel zu klein. Jeder Geburtstag, jedes Weihnachten, jedes Mal, wenn meine Eltern gesagt hatten: „Wir haben dich ausgewählt, weil du etwas Besonderes bist“, zerbrachen meine Erinnerung. Ich war nicht von einem unbekannten Studenten adoptiert worden. Ich war biologisch mit der Familie verwandt, die mich mein ganzes Leben lang getäuscht hatte.
Bevor ich die Nerven verlieren konnte, rief ich die Nummer an, die ich für David in Seattle gefunden hatte.
Er ging nach vier Klingeltönen ran.
“Hallo?”
Mir schnürte es die Kehle zu. „Ist das David Harris?“
„Ja. Wer ruft an?“
„Mein Name ist Emma.“
Es folgte eine Pause.
Es handelte sich nicht um Verwirrung.
Es war Anerkennung.
Dann flüsterte er: „Emma?“
Meine Beine gaben fast unter mir nach.
„Du kennst mich.“
Er atmete zitternd aus. „Ich kenne dich schon, seit du noch nicht geboren warst.“
Ich presste meine Handfläche gegen meine Brust. „Bist du mein Vater?“
Die Stille dauerte zu lange.
Schließlich sagte er: „Ja.“
Dieses eine Wort hat etwas in mir zerbrochen.
David erzählte alles nur bruchstückhaft. Mit 23 Jahren hatte er sich in eine Frau namens Carolyn Miller verliebt. Sie war mit seinem besten Freund Michael Reed verlobt gewesen, doch die Beziehung kriselte bereits. Carolyn wurde schwanger. Bevor David sich entscheiden konnte, was er tun sollte, griffen sein älterer Bruder Robert und Linda ein.
Meine Eltern.
