TEIL 2 – DIE NACHT, IN DER SIE VERSUCHTE, MAMA AUSZULÖSCHEN
Der Ballabend war gekommen.
Ich wäre beinahe zu Hause geblieben.
Stattdessen stand ich vor dem Spiegel in meinem Schlafzimmer und trug Mamas altrosa Kleid.
Einen Moment lang sah ich ihr Gesicht in meinem.
Dann berührte ich das blaue K, das im Futter versteckt war.
„Ich werde nicht verschwinden, Mama.“
Unten blickte Papa auf und erstarrte.
„Du siehst genauso aus wie deine Mutter.“
Einen Augenblick lang dachte ich, er hätte es endlich verstanden.
Dann rief Shirley aus der Küche.
„Hoffentlich verbringt sie nicht die ganze Nacht weinend wie sie.“
Papa zuckte zusammen.
Ich starrte ihn an.
“Sag etwas.”
Er brachte nur mühsam ein „Shirley, bitte“ heraus.
Das war alles.
Als Gary ankam, sah er mich an und lächelte.
“Du bist wunderschön.”
Beim Abschlussball konnte ich mich endlich entspannen.
Ihre Freundinnen lobten das Kleid.
Als ich ihnen erzählte, dass meine Mutter es gemacht hatte, wurden ihre Gesichtsausdrücke weicher.
Gary reichte mir einen Becher Punsch.
„Sie wäre stolz auf dich.“
Dann öffneten sich die Türen für die begleitenden Eltern.
Ich habe nach Papa gesucht.
Stattdessen sah ich Shirley.
Mir ist die Tasse aus der Hand gerutscht.
Sie trug das Kleid meiner Mutter.
Nicht das Original – aber eine nahezu perfekte Kopie.
Derselbe staubrosa Stoff.
Gleiches, tailliertes Oberteil.
Die gleichen, handgemacht aussehenden Blumen.
Das Einzige, was fehlte, war Mamas winziges blaues K.
Jemand flüsterte: „Ist das Delilahs Mutter?“
Eine andere Schülerin antwortete: „Nein. Das ist ihre Stiefmutter.“
Shirley ging direkt auf mich zu.
„Oh, Delilah! Sieh uns an. Wir passen zusammen!“
„Du hast Mamas Kleid kopiert.“
Sie beugte sich näher zu mir, sodass nur ich sie hören konnte.
