Karen traf zwanzig Minuten später in Zivilkleidung ein, die Haare zurückgebunden und mit wachen Augen.
Sie stellte keine dramatischen Fragen.
Sie öffnete die Beifahrertür, bemerkte die Kleidersack und verstaute sie leise auf dem Rücksitz.
Dann reichte sie mir eine Flasche Wasser.
“Trinken.”
Ja, das habe ich.
Erst danach fragte sie: „Hochzeit?“
Ich starrte durch die Windschutzscheibe auf Franks geschlossenen Laden. „Abgesagt.“
„Öffentlich oder im Stillen?“
Die praktische Relevanz der Frage gab mir Halt.
„Öffentlich“, sagte ich. „Aber kontrolliert. Keine Spekulationen.“
Karen nickte. „Wir informieren die Gäste über einen schwerwiegenden persönlichen und rechtlichen Vorfall. Die Zeremonie und der Empfang wurden abgesagt. Die Geschenke wurden zurückgegeben. Wir geben keine weiteren Auskünfte.“
Ich sah sie an. „Hast du darüber schon einmal nachgedacht?“
„Ich bereite mich auf Katastrophen vor. Meistens auf Hurrikane. Gelegentlich auch auf Pferdepflege.“
Trotz allem entfuhr mir ein leises, gebrochenes Lachen.
Am Abend desselben Tages verbreiteten sich Teile der Geschichte auf dem Stützpunkt.
Ein Hauptmann wurde verhaftet.
Ein Oberst wurde verraten.
Ein Rüstungsunternehmen ist beteiligt.
Eine Hochzeit wurde weniger als einen Tag vor der Zeremonie abgesagt.
Die Menschen schätzen Fragmente, weil sie ihnen ermöglichen, sich die Version zusammenzustellen, die ihnen am besten gefällt.
Manche glaubten, ich müsse es gewusst haben.
Andere behaupteten, Daniel sei unschuldig verurteilt worden.
Manche tuschelten, dass eine Oberstleutnantin, die mit einem jüngeren Offizier verlobt war, mit Demütigungen hätte rechnen müssen.
Diese Gerüchte überraschten mich nicht.
