TEIL 1: DAS MÄDCHEN AUF DEM KÜCHENBODEN
Als ich von einer einwöchigen Geschäftsreise zurückkam, erwartete ich, meinen Mann schlafend und unsere zwölfjährige Tochter sicher im Bett vorzufinden.
Stattdessen fand ich Mia zusammengerollt auf dem Küchenboden.
Eine dünne Decke bedeckte ihren Körper, ihr Kopf ruhte auf einem Kissen, und ein Glas Wasser stand neben ihr. Einen furchtbaren Moment lang dachte ich, ihr sei etwas zugestoßen.
Ich ließ meinen Koffer fallen und rannte quer durch den Raum.
„Mia?“
Ihre Atmung war ruhig. Sie hatte kein Fieber und keine sichtbaren Verletzungen, doch die Erleichterung wich schnell der Verwirrung.
Warum schlief meine Tochter auf dem Boden?
Es war fast Mitternacht. Mein Flug hatte sich stundenlang verspätet, aber Kyle blieb normalerweise wach, bis ich nach Hause kam. Sein Portemonnaie und sein Ladekabel lagen noch in unserem Schlafzimmer, doch von ihm fehlte jede Spur.
Dann bemerkte ich Licht unter Mias Schlafzimmertür.
Ich hörte leise Stimmen und das Geräusch von Möbeln, die verrückt wurden.
Mir wurde ganz flau im Magen, als ich den Flur entlangging und die Tür aufstieß.
Eine ältere Frau stand neben Mias Bett.
Ihr silbernes Haar war zu einem lockeren Dutt hochgesteckt, und sie trug ein helles Nachthemd unter einer übergroßen Strickjacke. Kisten füllten die Hälfte des Zimmers. Mias Schreibtisch war weggeräumt worden, und ihr Bücherregal fehlte.
Kyle stand neben der Fremden und half ihr beim Möbelrücken.
„Was machst du da?“, fragte ich.
Kyle drehte sich um.
„Alice. Du bist zu Hause.“
Die ältere Frau musterte mich mit einem verwirrten Ausdruck.
“Wer ist sie?”
Bevor Kyle antworten konnte, deutete sie in Richtung Flur.
„Bitte seid leise. Mein kleiner Junge schläft.“
Es gab keinen kleinen Jungen in unserem Haus.
Kyle bat mich, mit ihm draußen zu sprechen, aber ich lehnte ab.
„Ich will jetzt eine Erklärung.“
Die Frau legte ihre Hand auf Mias Bett.
