Fünf Jahre lang lebte ich in Ungewissheit darüber, was wirklich mit meiner Tochter geschehen war. Ich glaubte meinem Vater und verteidigte ihn, wann immer jemand seine Version der Geschichte anzweifelte. Doch nach seiner Beerdigung zwang mich ein verborgenes Geständnis dazu, jede Suche, jede Erinnerung und jeden Menschen, den ich jahrelang beschützt hatte, neu zu überdenken.
Schwester Joyce hielt mich am Arm fest, bevor ich den Parkplatz der Kirche erreichte.
„Crystal“, sagte sie atemlos. „Dein Vater hat mich gebeten, bis heute zu warten, bevor ich dir erzähle, was in der Nacht, in der deine Tochter verschwand, wirklich geschah.“
Hinter uns blieben die Kirchentüren offen, während Trauernde die Stufen hinunterkamen, Blumen trugen und Geschichten darüber erzählten, was für ein guter Mensch mein Vater gewesen war.
Hunter, mein Ex-Mann, stand mit zwei Pappbechern Wasser in der Hand am Tor. Sobald er meinen Gesichtsausdruck sah, stellte er sie ab und kam auf mich zu.
Ich hob eine Hand.
„Bleib in der Nähe“, rief ich. „Nur nicht hier.“
Er hielt an.
Schwester Joyce blickte nervös umher.
„Was hast du gesagt?“, fragte ich.
Sie griff in ihre Handtasche und holte einen dicken weißen Umschlag heraus.
