„Geh nach Hause. Ich erkläre es dir heute Abend.“
„Sie können es jetzt erklären.“
Sein Kiefer verkrampfte sich.
Dann sah ich sie.
Am anderen Ende des Korridors, in der Nähe des Treppenhauses, stand eine große blonde Frau in einem cremefarbenen Mantel, die teilweise in einer Nische mit einem Verkaufsautomaten verborgen war.
Schön.
Unbekannt.
Und doch auf seltsame Weise wiedererkennbar, so wie man Fremde wiedererkennt, sobald sie einem bereits Schaden zugefügt haben.
Unsere Blicke trafen sich.
Sie drehte sich um und rannte weg.
Ich bin ihr nachgelaufen.
Nathan rief meinen Namen, aber ich war bereits im Treppenhaus.
Meine Absätze schlugen auf die Metallstufen, während der Geruch von Beton und Desinfektionsmittel um mich herum aufstieg.
„Vanessa!“, rief ich.
Sie erreichte den Treppenabsatz unten, rutschte aus und verfing sich im Geländer.
Ich hatte sie eingeholt, bevor sie die nächste Tür öffnen konnte.
„Wer seid ihr?“, fragte ich.
Sie sah entsetzt aus.
Aber ich schäme mich nicht.
„Mein Name ist Vanessa Monroe“, sagte sie.
Monroe.
Der fehlende Bericht.
Eine eisige Kälte durchfuhr mich.
„L. Monroe“, sagte ich. „Aus der Untersuchung des Vorfalls.“
Ihre Augen füllten sich mit Tränen.
„Lily Monroe war meine Schwester.“
Die Treppenhaustür öffnete sich über uns.
Nathans Stimme hallte nach unten.
„Claire.“
Vanessa trat näher und drückte mir etwas in die Handfläche.
Ein kleiner USB-Stick.
„Er hat ihre Karriere zerstört“, flüsterte sie. „Dann hat er sie sterben lassen.“
Nathan erschien über uns, schwer atmend, sein makelloser, im Krankenhaus üblicher Gesichtsausdruck war völlig verschwunden.
„Claire“, sagte er noch einmal, diesmal leiser. „Gib mir das.“
Ich sah meinen Mann an.
Dann schloss ich meine Hand um das Laufwerk.
