Zunächst schien alles normal.
Er fuhr in Richtung Stadtzentrum.
In Richtung seines Büros.
Ich hätte beinahe über mich selbst gelacht.
Vielleicht war die Nachricht für jemand anderen bestimmt gewesen. Vielleicht hatten vier Worte genügt, um neun Jahre Vertrauen grundlos zu zerstören.
Ich hatte mir schon ausgemalt, welche Entschuldigung ich nie aussprechen müsste, als sein rechter Blinker aufleuchtete.
Er nahm die Ausfahrt Station Road.
Sein Büro befand sich weit davon entfernt.
Ich folgte ihm.
Die Station Road verlief durch ein älteres Viertel, in dem kleine Familienbetriebe trotz der um sie herum gebauten Einkaufszentren überlebt hatten.
Cameron bremste vor einem Blumenladen ab.
Ich parkte auf der anderen Straßenseite und sah ihm nach, wie er im Haus verschwand.
Die Sekunden vergingen quälend langsam.
Ich beharrte darauf, dass es eine harmlose Erklärung geben müsse.
Blumen zum Jahrestag.
Ein Geschenk für einen Kunden.
Jemand im Krankenhaus.
Als Cameron herauskam, trug er eine einzelne weiße Rose.
Kein Blumenstrauß.
Nur eine Blume.
Er legte es vorsichtig quer über den Beifahrersitz und fuhr los.
Ich runzelte die Stirn.
Eine einzelne Rose vermittelte ein Gefühl von Geborgenheit.
Ich hasste es, wie schnell meine Fantasie die fehlenden Details ergänzte.
Sein nächster Halt ließ alles noch schlimmer erscheinen.
Zwei Blocks weiter betrat er mit leeren Händen ein kleines Schneidergeschäft und kehrte mit einer marineblauen Kleidersacktasche zurück.
Er hängte es ordentlich auf den Rücksitz.
Eine Blume.
Frisch gebügelte Kleidung.
Wieder eine späte Nacht.
Diese Nachricht.
Ich umklammerte das Lenkrad so fest, dass mir die Finger wehtaten.
„Hör auf damit“, flüsterte ich. „Du weißt noch gar nichts.“
Doch Zweifel haben die Angewohnheit, einen zu überzeugen.
Sobald es in deinen Kopf gelangt, beginnt es, die Vergangenheit umzuschreiben.
Jedes verspätete Treffen wirkt verdächtig. Jedes zerstreute Lächeln scheint eine verborgene Bedeutung zu haben.
Ich erinnerte mich an Details, die ich zuvor nie hinterfragt hatte.
Ein Samstag, an dem er früh das Haus verließ.
Eine Nachricht, die ihn zum Lächeln brachte.
An einem Freitagabend kam er nach Hause und summte ein Lied, das ich nicht kannte.
Keiner dieser Momente hatte mich damals beunruhigt.
Nun fügten sie sich zusammen wie Bruchstücke eines Bildes, vor dessen Vollendung ich mich gefürchtet hatte.
