Ich saß auf dem Boden, die leere Schublade war offen und ich hatte eine Hand vor dem Mund.
Lucy hatte es gewusst.
Oder zumindest hatte sie genug herausgefunden, um zu wissen, dass ich gelogen hatte.
Dennoch konnte ich mir nicht eingestehen, dass sie mich absichtlich in Trauer zurückgelassen hatte.
—
Ein Jahr verging.
Am Jahrestag der Reise saß ich am Küchentisch, vor mir Lucys letztes Foto vom See.
Dann klopfte jemand.
Als ich die Tür öffnete, stand Zoe bleich und erschöpft auf der Veranda.
„Zoe?“
Sie zog ein gesprungenes Handy hervor.
Ich wusste es schon, bevor sie überhaupt etwas sagte.
„Lucys?“
Sie nickte.
Meine Hand umklammerte den Türrahmen fester. „Wenn meine Tochter noch lebt, sag das zuerst.“
Zoes Gesichtsausdruck verfinsterte sich. „Lucy lebt. Sie ist in Sicherheit.“
Ich packte sie an den Schultern. „Wo ist sie?“
„Bitte“, sagte Zoe. „Sie hat mich gebeten, Ihnen zuerst das Foto zu zeigen.“
„Meine Tochter ist seit einem Jahr verschwunden. Ich habe genug von Geheimnissen.“
Zoe hielt ihr das Handy hin. „Sieh dir das letzte Foto an. Lucy wollte, dass du die Wahrheit über diesen Tag erfährst.“
Dann versagte ihre Stimme.
„Aber sie hat Angst, dass du sie hassen wirst.“
„Ich werde entscheiden, was ich fühle, wenn ich weiß, wo mein Kind ist.“
Ich habe das Telefon entsperrt. Die Galerie öffnete sich.
Zunächst sah es so aus, als würde Lucy in ihrem grauen Kapuzenpulli vom Strand weggehen.
Zoe zeigte mit dem Finger. „Zoom rein.“
Ja, das habe ich.
Das Mädchen im Kapuzenpulli war Zoe.
Um ihren Hals trug sie Lucys silberne Halskette.
