„Mama. Mama, schau mal.“
Irgendwo hinter mir piepte der Scanner der Kassiererin, aber das Geräusch klang plötzlich fern, als käme es von einem anderen Nachmittag.
Leo zupfte weiter an meinem Ärmel und deutete auf die Auslage der Bäckerei.
„Ich sehe sie, Liebling“, flüsterte ich. „Sei leiser.“
„Aber das ist sie doch“, sagte er und zeigte weiter. „Das ist die Dame, die zu uns nach Hause kommt, wenn du arbeitest! Sie spielt im Zimmer oben.“
Meine Hand umklammerte den Milchkarton so fest, dass der Karton sich zu verformen begann.
Ich legte es schnell auf das Förderband, bevor ich es zerdrückte.
Die Frau in der Nähe der Bäckerei hatte sich nicht umgedreht.
Sie sah jung aus, vielleicht 30.
Sie trug ein kurzes grünes Kleid, ihr dunkles Haar war locker hochgesteckt, und über einer Schulter hing eine Stofftasche.
Ich konnte ihr Gesicht nicht sehen.
Ich war mir nicht sicher, ob ich das wollte.
„Leo, Schatz“, sagte ich und ging in die Hocke, um ihm näher in die Augen zu sehen. „Was meinst du mit ‚Stücke‘?“
„Spiele“, antwortete er lässig und baumelte wieder mit den Beinen. „Aber Papa hat gesagt, es ist ein Geheimnis. Also verrate ich es nicht.“
„Das hast du mir doch gerade gesagt.“
Sein Mund öffnete sich, dann schloss er sich wieder.
Seine Augen weiteten sich vor dem typischen Schrecken eines Fünfjährigen, der plötzlich begriffen hatte, dass er gegen eine Regel verstoßen hatte.
„Das wollte ich nicht“, flüsterte er.
Zehn Jahre.
