Ich hatte mich geirrt.
Nicht im Geringsten falsch.
Völlig falsch.
Ich blickte zu Leo hinüber.
Er hatte sich mit seinem Stoffhasen auf dem Sofa zusammengekauert und beobachtete mich mit ängstlichen Augen.
“Mama?”
Ich schluckte den Druck in meinem Hals hinunter.
„Komm schon, Liebling“, sagte ich leise. „Wir gehen zurück zum Laden.“
Er neigte den Kopf.
„Um die Malerin zu sehen?“
Ich nickte.
„Ja. Ich glaube… ich schulde ihr eine Entschuldigung.“
Zwanzig Minuten später fand ich Nora auf dem Parkplatz des Supermarkts, wo sie gerade ein farbverschmiertes Tuch in den Kofferraum eines kleinen blauen Autos faltete.
Meine Beine fühlten sich geliehen an, als ich mich ihr näherte.
„Es tut mir so leid“, sagte ich, noch bevor sie sich ganz umgedreht hatte. „Ich habe schreckliche Dinge gesagt. Dachte ich.“
Nora schenkte mir ein ruhiges, sanftes Lächeln.
„Mark hat mich vor vier Monaten gefunden“, sagte sie. „Er brachte mir einen Schuhkarton mit Fotos deiner Mutter. Er fragte, ob ich eines davon an die Wand hängen könnte, damit du es jeden Abend sehen würdest.“
Tränen füllten meine Augen.
Leo drückte sich leise an mein Bein.
„Die Sterne“, sagte Nora und ging in die Hocke, um auf seine Größe zu kommen.
Sie nahm einen schmalen Pinsel von ihrer Schürze und legte ihn in seine Hand.
„Dein Papa hat dem Kleinen erzählt, dass Oma Sterne liebte. Er schleicht sich immer wieder nach oben, um mir beim Malen zu helfen.“
Leo hielt den Pinsel, als wäre er etwas Heiliges.
„Ich hätte es nicht erzählen sollen“, flüsterte er.
„Das Wichtigste hast du nicht erzählt“, sagte Nora. „Das hast du dir für heute Abend aufgehoben.“
