Unten saß ich auf der untersten Treppenstufe und übte im Stillen Sätze, die ich mir nie hätte vorstellen können auszusprechen.
Ich möchte eine Trennung.
Ich glaube, du solltest heute Abend woanders übernachten.
Bitte lüge mich nicht an. Nicht heute. Nicht diese Woche.
Zehn Jahre.
Unser Jahrestag war am Samstag.
Ich hatte ihm eine Uhr gekauft und seinen Namen auf die Rückseite eingravieren lassen.
Leo kam herein, trug seinen Stoffhasen und kletterte wortlos auf meinen Schoß.
Das war es, was mich schließlich gebrochen hat.
Mehr als nur der verschlossene Raum.
Mehr als die geheimnisvolle Frau im grünen Kleid.
Er wusste, dass etwas nicht stimmte und versuchte, es mit einem Stoffhasen zu beheben.
Dann vibrierte mein Handy an meinem Bein.
Einen Moment lang hätte ich es beinahe ignoriert.
Als ich schließlich hinsah, war meine Hand eiskalt.
Mark hatte mir ein Foto geschickt.
Vom Türrahmen aus konnte man das Gästezimmer sehen.
Die Hälfte einer Wand war mit unvollendeten Pinselstrichen bedeckt – sanften Blautönen, warmen Brauntönen und den Anfängen eines Frauengesichts.
Ein Gesicht mit freundlichen Augen, das ich überall wiedererkannt hätte.
Die Augen meiner Mutter.
Unter dem Foto befanden sich vier Zeilen.
„Das habe ich gestern aufgenommen.“
„Ich war noch nicht bereit, es dir zu zeigen.“
„Bitte gehen Sie nach oben.“
“Ich liebe dich.”
Ich öffnete das Bild erneut.
Die blaue Farbe.
Die silbernen Sterne.
Der Fleck auf Leos Daumen.
Das verschlossene Gästezimmer.
Noras farbverschmierte Hände.
Jeder einzelne Hinweis, den ich die letzte Stunde lang zu einem Beweis für Verrat zusammengetragen hatte, ordnete sich plötzlich zu etwas völlig anderem um.
Ich presste meine Hand gegen meinen Mund.
„Oh Gott.“
Die Worte entkamen ihnen nur knapp.
