Teil 1: Der Urlaub
Ich glaubte, unser Familienurlaub hätte meiner sechzehnjährigen Tochter Nora endlich geholfen, die Muttermale an ihren Armen, Beinen und Schultern nicht länger zu verstecken. Jahrelang hatte sie im Sommer lange Ärmel getragen, Schwimmbäder gemieden und sich auf Fotos hinter andere gestellt. Ihre Schulkameraden hatten ihr beigebracht, sich für die Male zu schämen, die sie einst für bemalt gehalten hatte.
Am Abend vor unserer Florida-Reise fand ich sie in einem gelben Badeanzug unter einem offenen Morgenmantel vor.
„Du hasst es?“, fragte sie.
„Nein. Du siehst wunderschön aus. Ich finde es nur schade, dass mein erster Gedanke war, ob jemand etwas Gemeines sagen könnte.“
„Wahrscheinlich wird es jemand tun“, sagte sie. „Aber ich beweise mir selbst etwas.“
Ich versprach, dass niemand diesen Moment zerstören würde. Nora erwiderte: „Das sagst du immer, bevor Tante Vanessa etwas Unangenehmes sagt.“
Am nächsten Morgen kam meine Schwester Vanessa mit ihrer Tochter Lily an. Als Nora in Shorts und einem Strandkleid vor die Tür trat, starrte Vanessa auf ihre Beine.
„Na, da hat sich aber jemand mutig gezeigt.“
„Ich trage einen Badeanzug“, sagte Nora.
