Zehn Jahre Schweigen zwischen zwei Schwestern
Nach Noras Tod herrschte überall Stille. Ihre Hausschuhe blieben wochenlang im Flur stehen. Ihre Zahnbürste daneben. Ihr leeres Bett, das erste Bild des Morgens, das letzte der Nacht.
Geburtstage waren die langweiligsten Tage des Jahres geworden. Der Kuchen, die Kerzen, die Dekoration – und immer dieser leere Stuhl. Jedes Jahr zählten Gia und Leila, ohne sich abzusprechen, schweigend drei Gedecke ab.
Die Trauer schweißte sie nicht zusammen, sondern trieb sie auseinander. Leila zog sich in sich selbst zurück. Gia wurde verschlossener. Mit 21 Jahren sprachen sie kaum noch miteinander.
