Ich kam in der Regel vor Sonnenaufgang nach Hause.
Als ich aus dem Auto stieg, vibrierte mein Handy in meiner Hosentasche.
Ich wusste schon, was auf dem Bildschirm stehen würde, bevor ich überhaupt hinsah: eine Vorwahl aus Michigan, zum zweiten Mal in dieser Woche.
Ich brachte es zum Schweigen, ohne meinen Schritt zu unterbrechen.
„Nicht heute“, murmelte ich vor mich hin. „An keinem Tag.“
Im Foyer lag auf dem Posttisch wie üblich eine bunte Mischung aus Prospekten von Supermärkten und falsch zugestellten Kreditkartenangeboten. Trotzdem fiel mir etwas in meinem Briefkasten ins Auge: ein nachgesendeter Umschlag, eine mir seit 15 Jahren unbekannte, krakelige Handschrift, oben ein Poststempel aus Michigan.
Ich habe es dort gelassen.
Im zweiten Stock ging ich an dem kleinen Fenster vorbei, das auf den kleinen Laden an der Ecke und den Obststand davor hinausging. Und plötzlich war ich in einer ganz anderen Welt.
Bobbys Stimme, lachend, aus einer Küche drei Bundesstaaten entfernt und vor einer gefühlten Ewigkeit. Ich am Spülbecken, schwanger mit unserem Sohn Gordon, aß meine dritte Birne an diesem Nachmittag und weigerte mich, es zu bereuen.
Ich hatte seit 15 Jahren keine Birne mehr gekauft.
Ich hatte den Namen meines Ex-Mannes Bobby schon fast genauso lange nicht mehr laut ausgesprochen. Oder den seiner älteren Schwester Marianne, die nach dem Unfall kein einziges Mal ans Telefon ging. Sie wohnte nur eine Meile vom Flussufer entfernt und schickte nie Blumen.
Die Treppe ging immer weiter.
