Ich ließ die Erinnerung an Gordon zu, weil sie sowieso kommen würde. Mein Sohn war sechs Jahre alt, als der Wagen durch das Eis brach. Bobby, der am Steuer saß, überlebte. Mein kleiner Junge blieb an einer Stelle, die die Taucher nicht erreichen konnten.
Drei Tage Suche.
Als die Suche schließlich abgebrochen wurde, sagte mir ein Beamter mit freundlichen Augen, dass ihn die Strömung wohl mitgerissen habe.
Es gab weder eine Beerdigung noch ein Grab zu besuchen.
Ich bewahrte noch immer eine Sterbeurkunde zusammengefaltet in einem Schuhkarton auf dem obersten Regal meines Kleiderschranks auf.
Meine Ehe mit Bobby hielt noch genau sechs Monate, bevor ich die Scheidungspapiere unterschrieb, meine Sachen in meinen alten Honda packte und drei Bundesstaaten weit wegfuhr, fest entschlossen, irgendwo neu anzufangen, wo niemand meinen Namen kannte.
Meine Ehe hat die Schuldgefühle nicht überstanden.
Keine Familie hier. Keine Freunde mit Ersatzschlüsseln. Und ganz sicher keinen Freund.
Das war der Pakt, den ich mit der Welt geschlossen hatte. Klein bleiben, still bleiben, am Leben bleiben.
Deshalb hat mich das, was an jenem Montag geschah, so sehr erschreckt.
Im Treppenhaus im dritten Stock fischte ich meine Schlüssel aus ihrem Versteck. Der Flur roch nach dem Sonntagsessen meines Vermieters, Herrn Ramirez.
Die Abmachung, die ich getroffen hatte.
Ich drehte den Schlüssel um, drückte die Tür auf und erstarrte in meinem eigenen Türrahmen.
Die Wohnung, die ich 12 Stunden zuvor leer gelassen hatte, roch unverkennbar nach frisch gebrühtem Kaffee.
Zuerst dachte ich, der Geruch käme aus einer anderen Wohnung, aber in dem Moment, als ich meine Küche betrat, hielt ich den Atem an.
Es gab einen Frühstücksteller für eine Person, und ich lebte allein!
Es gab warme Eier. Kaffee in meiner angeschlagenen blauen Tasse, ein Schuss Hafermilch trübte die Oberfläche. Nachdem ich ihn probiert hatte, merkte ich, dass schon zwei Stück Zucker eingerührt waren – genau so, wie ich ihn seit Jahren trank!
Orangenscheiben waren fächerförmig auf dem Teller angerichtet und mit einer Prise Zimt bestreut – etwas, das ich noch nie bei jemand anderem gesehen hatte.
Neben der Gabel lag eine gefaltete weiße Serviette. Darauf stand in sorgfältiger, unbekannter Handschrift: „Pass auf dich auf.“
