Vor drei Wochen ging Olive eines Morgens früh zum Nachbarn, um sich Theresas Rezept für Hühnerpastete auszuleihen.
Nur wenige Minuten später rief sie mich aus Theresas Küche an.
Theresa saß friedlich in ihrem Lieblingssessel.
Sie war irgendwann in der Nacht verstorben.
Es hatte keine Vorwarnung gegeben.
Keine anhaltenden Krankheitssymptome.
Ihr Herz hatte einfach aufgehört zu schlagen, zwischen dem Ausschalten des Verandalichts und dem Sonnenaufgang.
Am darauffolgenden Samstag stand ich hinter meinem Rasenmäher, während Stille ihren Garten erfüllte.
Roger ging mit einem kleinen Plastikbecher in der Hand nach draußen.
„Miss Theresas Blumen brauchen Wasser, Papa“, sagte er.
Gemeinsam überquerten wir die Auffahrt.
Fanny goss die beiden Sonnenblumen.
Olive stand still auf der Veranda und hielt einen Kuchen in der Hand, den sie aus Gewohnheit gebacken hatte.
Keiner von uns wusste, wo es hingehörte.
Bei der Beerdigung saßen Theresas entfernte Verwandte in den vorderen Reihen.
Sie waren sehr freundlich.
Sie wussten, wo sie geboren worden war und in welchem Jahr sie Harold geheiratet hatte.
Als die Ministerin jedoch über ihr Lachen sprach, senkten sie die Blicke auf die Programmhefte in ihren Händen.
Ich kannte dieses Lachen.
Ich wusste, dass sie nur deshalb behauptete, Zimt gehöre in den Kaffee, weil Harold ihn so liebte.
Ich wusste, dass sie immer die letzte Seite jedes Kriminalromans las, bevor sie die erste Seite begann.
Ich wusste, dass sie den Kuchenboden bis zum allerletzten Bissen aufgehoben hatte.
Laut Gesetz war ich einfach nur der Nachbar von nebenan.
Nach der Beerdigung führte Olive die Kinder zum Auto, während ich neben Theresas Grab stehen blieb und einen kleinen Strauß Sonnenblumen anstarrte.
Ein Mann in einem dunklen Anzug kam herüber.
„Justin?“
“Ja.”
„Ich bin Mr. Thorne. Ich habe Theresas Angelegenheiten geregelt.“
Er griff in seinen Mantel und reichte mir einen versiegelten cremefarbenen Umschlag.
Mein Name stand in Theresas ordentlicher Handschrift darauf geschrieben.
Als es in meiner Hand lag, verschob sich etwas Kleines und Festes im Inneren.
Ich sah ihn an.
“Was ist das?”
